lifekinetik-ws

Mehr Fokus durch Bewegung und Koordination.

Meldung

Wie gezieltes Training die neuronale Trennung bei Multitasking fördert

Nach Angaben von Medical Xpress dokumentiert eine neue Studie im Fachjournal Neuron, wie das Gehirn Multitasking nicht durch ein starres Nadelöhr, sondern durch dynamische Rekrutierung und…

Wie gezieltes Training die neuronale Trennung bei Multitasking fördert

Nach Angaben von Medical Xpress dokumentiert eine neue Studie im Fachjournal Neuron, wie das Gehirn Multitasking nicht durch ein starres Nadelöhr, sondern durch dynamische Rekrutierung und schrittweise Trennung aufgabenspezifischer Neurone erlernt. Für neuroathletisches Training ist das ein präziser Bauplan: Koordination ist offensichtlich tatsächlich ein trainierbarer Parameter, weil das Gehirn dabei seine eigenen Ressourcen aktiv umsortiert.

Vom Hebel zum Hörsignal: der Versuchsaufbau

Das Team um Yung Wing-ho (City University of Hong Kong) und Ke Ya (Chinese University of Hong Kong, CU Medicine) entwickelte ein Dual-Task-Paradigma für Mäuse: Die Tiere mussten gleichzeitig eine kontinuierliche Hebelbewegung aufrechterhalten und auf auditorische Go/No-Go-Signale reagieren. Über mehrere Wochen hinweg beobachteten die Forschenden mittels longitudinaler Zwei-Photonen-Kalziumbildgebung die Aktivität derselben Neurone im sekundären motorischen Kortex (M2). So ließ sich direkt verfolgen, wie sich neuronale Repräsentationen während des Multitasking-Lernens reorganisieren.

Wettbewerb, Koordination, Trennung — der Lernverlauf

Einerseits zeigten die Aufnahmen, dass Neurone, die in beide Aufgaben eingebunden waren, zu Wettbewerbs-Hotspots wurden — die zelluläre Basis dessen, was wir subjektiv als Interferenz erleben. Andererseits reagierten selbst jene Neurone, die vorrangig einer Aufgabe zugeordnet waren, auf die parallele Verarbeitung der jeweils anderen Aufgabe. Diese Anpassung ermöglichte frühen Multitasking-Erfolg, indem das System die konkurrierenden Anforderungen zunächst koordinierte. Mit fortgesetztem Training wechselte das Gehirn die Strategie: Es rekrutierte vermehrt aufgabenspezifische Neurone und trennte die neuronalen Repräsentationen der beiden Aufgaben zunehmend — parallele Verarbeitung wurde effizienter, die Interferenz geringer. Dass M2 dabei kausal verantwortlich ist, zeigte ein Kontrollversuch: Eine moderate Hemmung dieser Region während des Trainings hob den Lerneffekt vollständig auf.

Was sich daraus für Life Kinetik ableiten lässt

Die Befunde stützen eine Grundannahme neuroathletischer Programme: Koordination ist kein fest verdrahtetes Talent, sondern ein Übungsprotokoll, das das Gehirn in klar definierten Schritten umsetzt — erst gemeinsam nutzen, dann sauber trennen. Praktisch heißt das: Übungen, die mehrere Sinneskanäle und Bewegungsmuster parallel beanspruchen, sprechen genau jene Areale an, die hier für die Trennung verantwortlich zeichnen. Folglich dürfte der Trainingseffekt weniger aus der einzelnen Bewegung resultieren als aus der strukturierten Wiederholung der Mehrfachaufgabe. In eine ähnliche Richtung weisen demnach Berichte, denen zufolge eine Nature-Communications-Auswertung von 1.473 Personen aus 13 Ländern bei Expertinnen und Experten aus Tango, Musik, Bildender Kunst und Strategiespielen Hirnmuster registrierte, die um geschätzt fünf bis sieben Jahre jünger ausfallen als erwartet — so die Zusammenfassung auf ScienceBlog. Wer also seine exekutiven Funktionen schärfen will, sollte Trainingsreize suchen, die das Gehirn zwingen, anfangs zu koordinieren und mit der Zeit sauber zu segregieren.